Wir haben da mal nachgeschaut: Wie würde man heute eine Stadt bauen, wenn man bei Null anfangen könnte?

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Stellen wir uns vor: Am Rand einer europäischen Großstadt liegt ein freies Grundstück. Keine Straßen. Keine Bebauungspläne. Keine abrissreifen Häuser, verbaute Marktplätze, Betonwüsten oder alte Fabriken. Nur ein weißes Blatt Papier.

Nächster Gedanke: Architekten, Klimaforscher und Ingenieure setzen sich an einen Tisch. Ihre Aufgabe: Sie sollen auf diesem Stück Land ein Viertel entwerfen, das auch im Jahr 2075 noch funktioniert. Es soll mehr Menschen beherbergen, weniger Energie verbrauchen, Hitze und Regen standhalten und gleichzeitig ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne leben. 

Welche Regeln würden sie vorschlagen? Welche Probleme müssten sie zuerst lösen? Wir haben darüber nachgedacht – und zehn Gebote für das Leben in der Stadt der Zukunft  aufgestellt.

Portrait
Die Stadt von Morgen muss mehr Menschen beherbergen und gleichzeitig weniger Energie verbrauchen.

Die Weltbevölkerung wächst. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir bauen müssen. Sondern wie.

1. Du sollst Wasser klug nutzen (und ehren)!

Wasser wird zur entscheidenden Ressource des 21. Jahrhunderts werden. Seltsam, dass viele heutige Städte Wasser noch immer als Problem behandeln, das möglichst schnell verschwinden soll. Diese Denkweise kommt aus der Vergangenheit: Viele Flüsse wurden zwischen etwa 1850 und 1970 kanalisiert, begradigt oder komplett unter die Erde verlegt – denn Haushalte und Industrie leiteten ihre Abwässer direkt hinein. Ein Bach mitten in der Stadt war wahrscheinlich kein romantisches Naturidyll, sondern eine Kloake.

Die Zukunftsstadt muss anders denken: Regenwasser muss gesammelt und offene Wasserläufe aufbereitet werden. Retentionsflächen und entsiegelte Böden helfen dabei, Regen und Flut zurückzuhalten. Baumwurzeln halten den Boden intakt und vermeiden Erdrutsche. Grauwasser kann für die Landwirtschaft gefiltert werden.

Ein bekanntes Beispiel ist das Benthemplein in Rotterdam – ein sogenannter Wasserplatz. Er funktioniert im Alltag als Treffpunkt mit Sportflächen. Kommt allerdings Starkregen, verwandeln sich Teile davon in große Auffangbecken für Tausende Kubikmeter Regenwasser.

2. Du sollst Energie selbst erzeugen!

Anstatt Strom und Wärme ausschließlich von außen und aus der Ferne zu beziehen, produzieren die Bewohner einer nachhaltigen Stadt einen Teil ihrer Energie selbst. Solardächer, Fassadenphotovoltaik, Geothermie und Wärmepumpen können ein lokales, zuverlässiges System kreieren.

Dabei geht es weniger um vollständige Autarkie als um Resilienz. Wenn Energie vor Ort erzeugt werden kann, sinken Transport und Abhängigkeiten. Die Zukunft gehört vermutlich nicht einem einzigen Kraftwerk, sondern vielen intelligenten, kleinen, vernetzten Systemen.

3. Du sollst Ressourcen im Kreislauf halten!

Unsere Städte funktionieren heute linear: Rohstoffe kommen hinein, Abfälle wieder raus. Zukunftsdenker versuchen, diesen Kreislauf zu schließen. Baustoffe werden wiederverwendet; organische Abfälle kompostiert, Wasser und Glas recycelt. 

Wichtig ist dabei das sogenannte Urban Mining. Alte oder abrissreife Gebäude werden dabei quasi als Rohstofflager – für Rohre, Elektronik, Kupfer, Aluminium – betrachtet. Zukunfts-Fazit: Abfall wird zunehmend als Ressource verstanden.

4. Du sollst Wege kurz halten!

Wohnen hier. Arbeiten dort. Einkaufen woanders. Wir alle pendeln ständig und überall. Unsere Architektenrunde versucht, diese Trennung rückgängig zu machen. Schulen, Kindergärten, Ärzte, Supermärkte, Sport, Kultur und Arbeitsplätze sollen nah beieinander liegen. Idealerweise ist alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.

Das Konzept der sogenannten 15-Minuten-Stadt hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Und das macht schon Sinn, denn: Je kürzer die Wege, desto weniger Verkehr entsteht erst überhaupt.

5. Du sollst Menschen wieder unter Menschen bringen!

Eines der größten Probleme moderner Städte ist nicht baulicher Natur. Es ist soziale Isolation. Immer mehr Menschen leben alleine und gleichzeitig fehlen Orte, an denen echte Begegnungen entstehen können.

Die Zukunft muss Gemeinschaft wahrscheinlicher machen – Gemeinschaftsgärten, Werkstätten, Dachterrassen, Coworking, Nachbarschaftscafés, Märkte. Weniger Zoom, weniger Auto, weniger Amazon, weniger Wolt und Lieferando.

6. Du sollst Generationen zusammenbringen!

Europa altert. Gleichzeitig fehlen Kitas, Pflegekräfte, erschwingliche Seniorenheime. Unser heutiges Wohnen trennt Menschen nach Lebensphase: Senioren hier, Familien ab ins Reihenhaus, Studierende woanders hin.

Mehrgenerationenhäuser, Co-Living, betreutes Wohnen und sogar flexiblere Grundrisse können dazu beitragen, dass mehrere Altersgruppen voneinander profitieren. Ältere Menschen bleiben länger integriert und aktiv, Familien erhalten Unterstützung und Kinder wachsen in vielfältigeren sozialen Umfeldern auf.

7. Du sollst Hitze ernst nehmen!

Viele europäische Städte wurden für ein anderes Klima gebaut. Bereits heute erleben Regionen in Südeuropa regelmäßig Temperaturen von über 40 Grad. Busse sind nicht klimatisiert, Büros, Schulen und Arztpraxen ebenfalls nicht.

Unsere Stadtplaner werden Hitze bedenken müssen: Bäume spenden Schatten. Wasserflächen verbessern das Mikroklima. Der Asphalt wird hell. Dachgärten und vertikale Gärten reduzieren Hitze. 

Städte wie Paris, Barcelona oder Melbourne investieren bereits massiv in solche Maßnahmen; in Abu Dhabi entstand mit Masdar City sogar eine Stadt, die für Temperaturen von über 40 Grad entworfen wurde. Schmale Straßen liegen fast den ganzen Tag im Schatten, Gebäude stehen dicht genug, um sich gegenseitig vor Sonne zu schützen.

8. Du sollst die Wohnung nicht kaufen!

Das nachhaltigste Quartier der Welt löst wenig, wenn es sich am Ende nur eine kleine Minderheit leisten kann. Einige Stadtprojekte versuchen jetzt schon, den Boden dauerhaft dem Markt zu entziehen. Genossenschaften, Community Land Trusts oder Erbpacht-Modelle trennen den Wert des Bodens vom Gebäude selbst.

Ein bekanntes Beispiel ist La Borda in Barcelona. Das Wohnprojekt gehört nicht einzelnen Eigentümern, sondern einer Genossenschaft. Bewohner kaufen keine Wohnung, sondern erwerben ein dauerhaftes Nutzungsrecht.

9. Du sollst die Luft rein halten!

Wasser erhält viel Aufmerksamkeit. Luft erstaunlich wenig. Dabei beeinflussen Luftqualität und Temperatur unmittelbar unsere Gesundheit und Lebensqualität. Feinstaub, Reifenabrieb, Mikroplastik und schlechte Durchlüftung belasten viele Stadtbewohner bereits heute. Zukunftsquartiere brauchen deshalb Frischluftschneisen, begrünte Korridore, schattige Aufenthaltsbereiche und eine bessere natürliche Durchlüftung.

10. Du sollst Fläche schlau nutzen!

Die Weltbevölkerung wächst. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir bauen müssen. Sondern wie. Viele Science Fiction Filme zeigen Wolkenkratzer, Megacities und fliegende Autos. Tatsächlich sprechen viele Stadtforscher heute eher von gemischter Nutzung der Quartiere mit mittelhoher Bebauung (Middle Housing), kurzen Wegen und intelligenter Umnutzung von bestehenden Flächen und Gebäuden. 

Mehr Menschen pro Hektar müssen nicht automatisch mehr Höhe bedeuten. Blockrandquartiere, Innenhöfe, Dachgärten und gemeinschaftliche Flächen können eine hohe Dichte mit hoher Lebensqualität verbinden.



1. Du sollst Wasser klug nutzen (und ehren)!

Wasser wird zur entscheidenden Ressource des 21. Jahrhunderts werden. Seltsam, dass viele heutige Städte Wasser noch immer als Problem behandeln, das möglichst schnell verschwinden soll. Diese Denkweise kommt aus der Vergangenheit: Viele Flüsse wurden zwischen etwa 1850 und 1970 kanalisiert, begradigt oder komplett unter die Erde verlegt – denn Haushalte und Industrie leiteten ihre Abwässer direkt hinein. Ein Bach mitten in der Stadt war wahrscheinlich kein romantisches Naturidyll, sondern eine Kloake.

Die Zukunftsstadt muss anders denken: Regenwasser muss gesammelt und offene Wasserläufe aufbereitet werden. Retentionsflächen und entsiegelte Böden helfen dabei, Regen und Flut zurückzuhalten. Baumwurzeln halten den Boden intakt und vermeiden Erdrutsche. Grauwasser kann für die Landwirtschaft gefiltert werden.

Ein bekanntes Beispiel ist das Benthemplein in Rotterdam – ein sogenannter Wasserplatz. Er funktioniert im Alltag als Treffpunkt mit Sportflächen. Kommt allerdings Starkregen, verwandeln sich Teile davon in große Auffangbecken für Tausende Kubikmeter Regenwasser.

2. Du sollst Energie selbst erzeugen!

Anstatt Strom und Wärme ausschließlich von außen und aus der Ferne zu beziehen, produzieren die Bewohner einer nachhaltigen Stadt einen Teil ihrer Energie selbst. Solardächer, Fassadenphotovoltaik, Geothermie und Wärmepumpen können ein lokales, zuverlässiges System kreieren.

Dabei geht es weniger um vollständige Autarkie als um Resilienz. Wenn Energie vor Ort erzeugt werden kann, sinken Transport und Abhängigkeiten. Die Zukunft gehört vermutlich nicht einem einzigen Kraftwerk, sondern vielen intelligenten, kleinen, vernetzten Systemen.

3. Du sollst Ressourcen im Kreislauf halten!

Unsere Städte funktionieren heute linear: Rohstoffe kommen hinein, Abfälle wieder raus. Zukunftsdenker versuchen, diesen Kreislauf zu schließen. Baustoffe werden wiederverwendet; organische Abfälle kompostiert, Wasser und Glas recycelt. 

Wichtig ist dabei das sogenannte Urban Mining. Alte oder abrissreife Gebäude werden dabei quasi als Rohstofflager – für Rohre, Elektronik, Kupfer, Aluminium – betrachtet. Zukunfts-Fazit: Abfall wird zunehmend als Ressource verstanden.

4. Du sollst Wege kurz halten!

Wohnen hier. Arbeiten dort. Einkaufen woanders. Wir alle pendeln ständig und überall. Unsere Architektenrunde versucht, diese Trennung rückgängig zu machen. Schulen, Kindergärten, Ärzte, Supermärkte, Sport, Kultur und Arbeitsplätze sollen nah beieinander liegen. Idealerweise ist alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.

Das Konzept der sogenannten 15-Minuten-Stadt hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Und das macht schon Sinn, denn: Je kürzer die Wege, desto weniger Verkehr entsteht erst überhaupt.

5. Du sollst Menschen wieder unter Menschen bringen!

Eines der größten Probleme moderner Städte ist nicht baulicher Natur. Es ist soziale Isolation. Immer mehr Menschen leben alleine und gleichzeitig fehlen Orte, an denen echte Begegnungen entstehen können.

Die Zukunft muss Gemeinschaft wahrscheinlicher machen – Gemeinschaftsgärten, Werkstätten, Dachterrassen, Coworking, Nachbarschaftscafés, Märkte. Weniger Zoom, weniger Auto, weniger Amazon, weniger Wolt und Lieferando.

6. Du sollst Generationen zusammenbringen!

Europa altert. Gleichzeitig fehlen Kitas, Pflegekräfte, erschwingliche Seniorenheime. Unser heutiges Wohnen trennt Menschen nach Lebensphase: Senioren hier, Familien ab ins Reihenhaus, Studierende woanders hin.

Mehrgenerationenhäuser, Co-Living, betreutes Wohnen und sogar flexiblere Grundrisse können dazu beitragen, dass mehrere Altersgruppen voneinander profitieren. Ältere Menschen bleiben länger integriert und aktiv, Familien erhalten Unterstützung und Kinder wachsen in vielfältigeren sozialen Umfeldern auf.

7. Du sollst Hitze ernst nehmen!

Viele europäische Städte wurden für ein anderes Klima gebaut. Bereits heute erleben Regionen in Südeuropa regelmäßig Temperaturen von über 40 Grad. Busse sind nicht klimatisiert, Büros, Schulen und Arztpraxen ebenfalls nicht.

Unsere Stadtplaner werden Hitze bedenken müssen: Bäume spenden Schatten. Wasserflächen verbessern das Mikroklima. Der Asphalt wird hell. Dachgärten und vertikale Gärten reduzieren Hitze. 

Städte wie Paris, Barcelona oder Melbourne investieren bereits massiv in solche Maßnahmen; in Abu Dhabi entstand mit Masdar City sogar eine Stadt, die für Temperaturen von über 40 Grad entworfen wurde. Schmale Straßen liegen fast den ganzen Tag im Schatten, Gebäude stehen dicht genug, um sich gegenseitig vor Sonne zu schützen.

8. Du sollst die Wohnung nicht kaufen!

Das nachhaltigste Quartier der Welt löst wenig, wenn es sich am Ende nur eine kleine Minderheit leisten kann. Einige Stadtprojekte versuchen jetzt schon, den Boden dauerhaft dem Markt zu entziehen. Genossenschaften, Community Land Trusts oder Erbpacht-Modelle trennen den Wert des Bodens vom Gebäude selbst.

Ein bekanntes Beispiel ist La Borda in Barcelona. Das Wohnprojekt gehört nicht einzelnen Eigentümern, sondern einer Genossenschaft. Bewohner kaufen keine Wohnung, sondern erwerben ein dauerhaftes Nutzungsrecht.

9. Du sollst die Luft rein halten!

Wasser erhält viel Aufmerksamkeit. Luft erstaunlich wenig. Dabei beeinflussen Luftqualität und Temperatur unmittelbar unsere Gesundheit und Lebensqualität. Feinstaub, Reifenabrieb, Mikroplastik und schlechte Durchlüftung belasten viele Stadtbewohner bereits heute. Zukunftsquartiere brauchen deshalb Frischluftschneisen, begrünte Korridore, schattige Aufenthaltsbereiche und eine bessere natürliche Durchlüftung.

10. Du sollst Fläche schlau nutzen!

Die Weltbevölkerung wächst. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir bauen müssen. Sondern wie. Viele Science Fiction Filme zeigen Wolkenkratzer, Megacities und fliegende Autos. Tatsächlich sprechen viele Stadtforscher heute eher von gemischter Nutzung der Quartiere mit mittelhoher Bebauung (Middle Housing), kurzen Wegen und intelligenter Umnutzung von bestehenden Flächen und Gebäuden. 

Mehr Menschen pro Hektar müssen nicht automatisch mehr Höhe bedeuten. Blockrandquartiere, Innenhöfe, Dachgärten und gemeinschaftliche Flächen können eine hohe Dichte mit hoher Lebensqualität verbinden.